Dämon inside


Einen Monat nix gepostet?  So what! Mein Blog, mein Leben, gab grade mal wichtigeres und eine reife Erkenntnis…

„Was ist nur mit Krissi los?!“  haben sich sicherlich viele seit Anfang diesen Jahres gefragt. Ich gehe in mein 7. SL Jahr und ich glaube ich bin mutiert. Ich lasse meine Triebe, meine Vorlieben- ja gradezu mein ICH  raus. Ich tue endlich WAS ICH WILL! Bin nicht mehr everybody’s darling und das relativ skupellos.  Jedenfalls in SL. RL geht das leider nicht immer so einfach, wie man möchte ohne die eigene Existenz zu gefährden. Ich habe Freund und Feind sortiert und Leute die mich ausnutzen, Jobs und Projekte  aufgegeben und mir andre Ziele gesucht.. sprich ich bin verändert.

Das mag für den einen oder andren total befremdlich klingen. Was hatten die vorher gemacht? War die fremd bestimmt? Was soll denn so ne Ansage?

Eigentlich ist es unfassbar das ich dazu fast sieben Jahre gebraucht habe. Aber da ich vom allerersten Tag in SL an ein Community worker geworden bin (und dies auch unzweifelhaft seinen Reiz hat) und ich zudem ein Business in SL habe (Landhandel und Co-Owner von „Garden of dreams“) hab ich sozusagen Wert auf einen „Ruf“ gelegt, und ja, war echt zum Teil fremdbestimmt, selbst bei von mir initierten Projekten. Lach nicht. Das geht wirklich. Ich hab mir jeden Samstag den Arsch aufgerissen, um pünktlich um 22 Uhr  mit gut bestückter Playlist in Sl zu sein, und meinen Club zu beschallen. Die meisten trudelten mal irgendwann um 12 ein, aber irgendwie wars auch immer voll. Leider nicht mit der Musik die ICH persönlich mag, sondern mit wunderlichen Stücken, die sie mochten. Ergo hab ich 7- 9 Stunden Sachen aufgelegt, die ich zum Teil in meinem normalen Leben nur mit der Kneifzange angefasst hätte. Warum eigentlich? Warum tut man so was? Weil man da „Freunde“ findet?

Dacht ich mal. Ernstlich. Da kommen Leute über 6 Jahre in deinen Club und sind jedes mal zur Stelle. Sie hören dir zu, sie jubeln dir zu.. solange du funktionierst. Wehe du funktionierst auf Knopfdruck nicht mehr so. Es kommen 1- 2 Anfragen, ob denn keine Party wie immer sei, warum und wieso und wies einem geht?  Scheiß drauf, egal. Nächster Club! Nach spätestens 4 Wochen bist du nur noch ein Name. Die Person dahnter interessiert nicht weiter.

Ich hatte eine sehr heftige Sinnkrise. Ich helfe zu gern. Ja tu ich wirklich.

Für Freunde bzw. Menschen, die ich mag würde ich wirklich fast alles tun. Auch ihren kleinen Arsch in den Olymp hiefen.

Wie sagten wohl schon die Neandertaler? Undank ist der Welten Lohn.  Nicht alles was man tut, wird dementsprechend honoriert. Und manchmal tritt dir ein „sauguter“ Freund so mit Anlauf in die Fressse, das dein Weltbild so grundlegend erschüttert wird, das die Welt nicht mehr in den Angeln hängt, sondern sie so dermassen kippt, das du jeden und alles hinterfragst.

Es hat mir unendlich weh getan, denn das ist mir im Februar mit jemand passiert, den ich davor als zu mir enger stehend betrachtet habe, als irgendwen auf diesem Globus.

Auf der andren Seite: Gelobt sei was hart macht. Es hat mich und meine Stellung in Second life komplett überdenken lassen.  Ich habe jeden in meiner Friendlist auf Freund oder Feind abgeklopft. Eine Menge Kontakte aussortiert. Eine Menge Leute gelöscht. Aufgaben, die mir nicht langfristig gut tun, aus meinem Leben gestrichen. Warum sich mit einem Team rumstreiten, das mich nicht mag und ich sie nicht? Ein Ziel verfolgen hinter dem ich nicht 100 Prozent stehe?  Und tüss..    freiwillige Arbeit beinhaltet das Wort frei und willig. Beides war nicht mehr gegeben.

Mein Club? Ich könnt nicht ohne djen. Musik bin ich. Aber bin ich die Musik, die ich da jahrelang aufgelegt habe? NEIN!!!!!! Ein dicker innerlicher Aufschrei. Ich kotze ab bei 80er und Mainstream Musik.Mich zu zwingen „Thriller“ zu spielen, kommt „Schwarz braun ist die Haselnuss“ nahe. Ist bei mir auf der selben Kotzebene. Genau wie „Slowmusik“. Warum alle meine Mieter Slowradio eingestellt haben? Wahrscheinlich bin ich anders. Ich würde dazu nicht kuscheln können. Bei Joe Cocker wär es spätestens so weit: Ich würde mein Gegenüber fragen, ob er sie noch alle hat und auf EBM Radio umstellen. Meinen ureigenen Club auf MEINE Musik umstellen zu wollen, würde aber leider auch nicht helfen. Also .. Good bye old „friends“. Vielen Dank für all die witzigen Momente aber dennoch bin ich ohne Wehmut dieses Kapitel zugeschlagen zu haben.

Auch das warum ich eigentlich in Sl bin-  die Freundschaft zu Menschen aus aller Welt – hat sich von meiner inneren Haltung her sehr verändert.

Ein jeder hat seinen Grund warum er in SL ist. Geben wir es doch zu!  Wir, die wir hier fast täglich allabendlich diesen Grid bevölkern sind anders! Wir legen durchaus Wert auf Freunde. Aber sie sind angenehmer auf Distanz. Sie sind für einen da, wenn man sie braucht, sie kennen zum Teil Dinge, die man im RL niemandem erzählen kann oder möchte und sind was? Ja, sie sind bei Bedarf abschaltbar.  Stellen wir uns diesen Dingen. Auch DU bist abschaltbar bei Bedarf und zwar mit 2 Mouseclicks. Aus der Friendlist entfernen und Mute und das wars.

Leider passiert das aber auch manchmal völlig grundlos. Weil jemand sein zweites Leben nicht mehr aushält. So ging gerade ein wirklich netter Freund aus diesem Grid zurück ins RL der mir erklärte: „Noch ein wenig länger und ich hätte mich selber nicht mehr erkannt.“ Und ich konnte ihn irgendwie sogar ganz gut verstehen. Ich deute da nur auf obige Zeilen und das man sich u. a sogar in SL Rollen aufzwingt, die man nicht dauerhaft inne haben möchte. Mich haben seine Abschiedsworte wirklich zu Tränen gerührt. „You were a light in my life Kris. I love you, i will miss you. But i have to leave. I take a piece of your heart with me“. Es sei dir gegeben Feather und pass gut drauf auf. Das ist nämlich ziemlich verletzlich, auch wenn es ab und an ziemlich tough wirkt.

Eine Woche davor hat mich jemand kalt gestellt, den ich sehr sehr gern mag und der nur eines nicht mehr ertrug: Ihm fehlten Freunde im realen Leben. Ich wohne recht nahe im realen Leben,  aber mir war permanenter Kontakt zu eng. Ergo hat er mich aufs Abstellgleis geschoben. Leider ohne mich zu fragen, ob ich das auch möchte. Jemand zu verlieren, den man gern hat, dem man sich mental nahe fühlt, nur weil ihm deine Umarmung RL zu sehr fehlt…. eigentlich ist das abstrus. Aber das ist eben auch Second life. Knips und aus!

7 Jahre mache ich das jetzt mit. Ich lerne Menschen kennen, die mich berühren. Zum Teil verspüre ich engere Bindungen zu ihnen als zu realen Freunden. Baue Partnerschaften auf und leide danach wie ein Tier, weil ich jemand verloren habe, den ich liebe, dessen Nähe mir fehlt. Der meinem Leben einen gewissen Sinn gegeben hat. Und dann ? Vakuum. Totale Leere und wieder von vorn beginnen.

„Dämon inside“ habe ich diesen Artikel genannt. Er beinhaltet zweierlei: Verfall nicht dem alten Dämon der Gutwilligkeit. Ich helfe ausgesprochen gern und freue mich wirklich, wenn ich sehe wie meine einstigen Schützlinge in SL flügge werden oder das deren Probleme kleiner werden, nur in dem man darüber mit jemand geredet hat. Das geht. Aber das ist alles begrenzt und es reibt mich auf und vor allem:  Wer hilft, der erwartet irgendwo auch ein Danke. Man gesteht es nicht ein, aber das DANKE ist die Motivation warum man altruistisch handelt. Das, und das man bemerkt wird. Das man wahrgenommen wird, als „guter Mensch“.  Und so leid es mir tut: Meine Sichtweise hat sich mittlerweile so verschoben, das eben genau dies nicht mehr langt. Zu viele haben drauf gespuckt. Zu viele haben Hilfe missbraucht. Zu viele haben das Wort „Freund“ und „Liebe“ mit Gift überschüttet. Zu vieles selbstverständlich, nur weil man bzw. ich zu lange zu gut funktioniert habe.  Diesmal knips ich dieses aus.

Dämon inside heißt aber auch: Los, lass ihn endlich raus. Wer bist du eigentlich? Zeigs dieser Welt und hab SPASS! Aus dem Grund hast du hier mal angefangen. Tu nur noch das, was dir Spaß macht. Tu keinem dabei weh, jedenfalls nicht mit böswilliger Absicht. Sondern nimm dir das Recht, was jeder hier für sich rausnimmt: Sei du selbst.

Darum bin ich mittlerweile anders und darum fühle ich mich weitaus besser als noch vor einem Jahr.

Wer mag und ehrlich an der Person interessiert ist, der darf mich gern begleiten. Freunde sind immer willkommen in meinem Leben. Aber meint es bitte ernst. SL ist ein Spiel. Ich bin keines.

MFG

Kristina Simon

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5 Gedanken zu “Dämon inside

  1. Hach Kristina…..
    Dein Post geht mir nahe.
    Ich hätte soviel dazu zu sagen…… aber in 15 Min. ist Brundi, das langt nicht. Das ist kein Beitrag auf den man „kurz mal antwortet“……
    wir schließen uns kurz…..irgendwann dieser Tage wird das klappen!
    Nimm so lang mal n Knutscher von mir Du Fundemon Du 🙂

  2. Huhu Kris 🙂
    Ich hatte beim lesen das Gefühl, schreibt sie meine Geschichte?
    Mir erging es fast genauso, vielleicht 1-2 Enttäuschungen mehr oder weniger.
    Dankeschön, ich hätte Sie bestimmt nicht so auf den Punkt bringen können wie du es mit den richtigen Worten geschafft hast.
    großartig !
    liebe Grüße lässt dir, die Nara aus dem Dark Refuge hier 🙂

    • Nara, dieser Artikel hier… ich hab jetzt von so vielen gehört: man du sprichst mir aus der Seele. Immerhin sind wir nicht alleine und das ist gut zu wissen! *hugged dich mal und freut sich wieder auf eine Session guten RÖMMS von dir“

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